{"id":3376,"date":"2018-08-05T10:00:27","date_gmt":"2018-08-05T08:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/?p=3376"},"modified":"2018-08-10T07:28:58","modified_gmt":"2018-08-10T05:28:58","slug":"quadratisch-praktisch-unbekannt-geschnittene-steine-in-kunst-und-naturalienkabinetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/archives\/3376","title":{"rendered":"Quadratisch \u2013 praktisch \u2013 unbekannt. Geschnittene Steine in Kunst- und Naturalienkabinetten"},"content":{"rendered":"<p>Workshop des Sammlungs- und Forschungsverbunds<br \/>\n<strong>\u201eQuadratisch \u2013 praktisch \u2013 unbekannt. Geschnittene Steine in Kunst- und Naturalienkabinetten&#8220;<\/strong><br \/>\n5.-7.9.2018<br \/>\nForschungszentrum Gotha, Vortragssaal im Landschaftshaus, Schlossberg 2, 99867 Gotha<\/p>\n<p>Der von der VolkswagenStiftung gef\u00f6rderte Workshop des Sammlungs- und Forschungsverbunds Gotha befasst sich im Rahmen des Forschungsprojekts &#8222;Gotha um 1800. Natur &#8211; Wissenschaft &#8211; Geschichte&#8220; mit der \u00c4sthetik, Materialit\u00e4t und Epistemologie eines mineralogisch-petrographischen Sammlungsgegenstands: der Mustert\u00e4felchensammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>In vielen naturkundlichen Sammlungen, deren Urspr\u00fcnge in das 18. Jahrhundert zur\u00fcckreichen, findet sich diese Objektgruppe, die mit den Begriffen Muster-, Marmor-, Achat- oder Gesteinst\u00e4felchen nur unzureichend charakterisiert wird. Im englischen Sprachraum und in der Kunstgeschichte hat sich f\u00fcr diese Objekte der Begriff \u201especimen marbels\u201c etabliert, obwohl auch dies nicht treffend ist. Denn es sind nicht nur Marmore, sondern auch alle anderen Arten von farbigen Gesteinen und Mineralen, die damit bezeichnet werden. Den Objekten ist gemeinsam, dass sie in rechteckiger, meist quadratischer Form von wenigen Zentimetern Seitenl\u00e4nge geschnitten und von einer Seite poliert sind. In der Verbindung von \u00e4u\u00dferlicher Gleichf\u00f6rmigkeit und farbiger Verschiedenheit besitzen sie eine ganz eigene \u00c4sthetik.<\/p>\n<p>Die Anf\u00e4nge der Mustert\u00e4felchen liegen im Steinschneidegewerbe Norditaliens, das sich auf eine bis in die Antike zur\u00fcckreichende Tradition gr\u00fcndet. Zuerst standen die \u00f6konomischen Interessen der Hersteller im Vordergrund, die sich mit der werbewirksamen Streuung kleinformatiger Muster gr\u00f6\u00dfere Auftr\u00e4ge erhofften. Zugleich fungierten die handlichen Steinpl\u00e4ttchen als beliebtes Souvenir europ\u00e4ischer Bildungsreisender, die sie auf ihrer Grand Tour erwarben und in ihre Sammlungen einf\u00fcgten. Neben den Mustert\u00e4felchen aus dem Mittelmeerraum finden sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts \u00e4hnlich gearbeitete Suiten aus Werkst\u00e4tten n\u00f6rdlich der Alpen, besonders aus Regionen mit eigenen Vorkommen von Halbedel- und Naturwerksteinen. So nahm die Verarbeitung von Achat, Jaspis, Amethyst und Bergkristall in der Umgebung von Idar-Oberstein ihren Anfang, die Steinschneidewerkst\u00e4tten f\u00fcr Serpentin konzentrierten sich im erzgebirgischen Z\u00f6blitz, und die Herstellung von Objekten aus Buntmarmoren konzentrierte sich in Franken, Oberbayern und dem Salzburger Land. Die Liebhaber der Objekte sammelten diese nicht eigenh\u00e4ndig, sondern erwarben ein \u00e4sthetisch gef\u00e4lliges, seriell gefertigtes Produkt, dem der wissenschaftliche Kommentar meist beigegeben war. Die Kommodifizierung wurde noch gesteigert, wenn eine Miniaturisierung der Gesteinst\u00e4felchen erfolgte, um kunstvolle Einlegearbeiten zu schaffen, wie die Preziosen in Form von Tabatieren und Ringsteinkabinetten zeigen.<\/p>\n<p>Der Workshop will eine Kontextualisierung dieser Objekte vornehmen und auf diese Weise deren einheitliche Ansprache interdisziplin\u00e4r verankern. Dar\u00fcber hinaus werden ihre digitale Verzeichnung und der Austausch zwischen Museumsdatenbanken und Netzportalen thematisiert. Die Veranstaltung wendet sich an Kolleginnen und Kollegen aus Geologie, Arch\u00e4ologie, Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte, Museologie und Informationswissenschaft sowie an kulturhistorisch Interessierte, die miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen m\u00f6chten.<\/p>\n<p><strong>Programm <\/strong>( <a href=\"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Flyer_Mustertaefelchen_Workshop_web.pdf\">PDF zum Download<\/a>)<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 5. September 2018<\/strong><\/p>\n<p>13.00 Uhr I Begr\u00fc\u00dfung<\/p>\n<p>13.10 Uhr I Carsten Eckert &amp; Julia Schmidt-Funke (Gotha)<br \/>\nEinf\u00fchrung<\/p>\n<p>13.30 Uhr I Gerhard Heide (Freiberg)<br \/>\nSammelsurium oder wissenschaftliche Sammlungen?<\/p>\n<p><strong>Sektion 1: Boden und Sch\u00e4tze \u2013 Steine in f\u00fcrstlichen Kunst- und Naturalienkammern<\/strong><\/p>\n<p>14.30 Uhr I Ralf Schmidt (Suhl\/Schleusingen)<br \/>\nMustertafel-Suiten von Dekorgesteinen in der Sammlung des Meininger Herzogs Anton Ulrich<\/p>\n<p>15.10 Uhr I Michael Wagner (Dresden)<br \/>\nDie Steinkabinettsammlung von Heinrich Taddel im Gr\u00fcnen Gew\u00f6lbe zu Dresden<\/p>\n<p>15.50 Uhr I Eckhard M\u00f6nnig (Coburg)<br \/>\nMustert\u00e4felchen aus den Naturalienkabinett der Coburger Herz\u00f6ge<\/p>\n<p>16.30 Uhr I Kaffeepause<\/p>\n<p>17.00 Uhr I Christoph Merzenich (Erfurt)<br \/>\nCommesso-Mosaiken aus Schloss Friedenstein in Gotha. Eine Anregung zu interdisziplin\u00e4rer Forschung<\/p>\n<p>17.40 Uhr I Rainer Werthmann &amp; Cornelia Kurz (Kassel)<br \/>\n\u201eEin Tischblatt mit eingelegten Marmor Mustern\u201c vom Forum Romanum und der Steinschnitt in Kassel<\/p>\n<p>ab 19.00 Uhr I Gemeinsames Abendessen<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 6. September 2018<br \/>\nSektion 2: \u00c4sthetik und Erkenntnis \u2013 Das Objekt zwischen Kunst und Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>9.00 Uhr I Gisela Maul &amp; Thomas Schmuck (Weimar)<br \/>\nDie Suiten geschliffener Steine und Marmore aus Italien in Goethes Sammlung<\/p>\n<p>9.40 Uhr I Cettina Rapisarda (Berlin)<br \/>\nAlexander von Humboldts R\u00f6mische Marmorsammlung im Kontext von Traditionen der Italienreise<\/p>\n<p>10.20 Uhr I Kaffeepause<\/p>\n<p>10.50 Uhr I Kathrin Polenz (Jena)<br \/>\nFarben, Karten, KeferStein. Der geognostische Atlas von Christian Keferstein<\/p>\n<p>11.30 Uhr I Nadine Sch\u00e4fer (G\u00f6ttingen)<br \/>\nNatursteine im Academischen Museum der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen \u2013 eine Spurensuche<\/p>\n<p>12.10 Uhr I Birgit Kreher-Hartmann (Jena)<br \/>\n&#8222;Die gro\u00dfe Welt in kleinen Tafeln&#8220; \u2013 Neuentdecktes aus der Mineralogischen Sammlung Jena<\/p>\n<p>12.50 Uhr I Mittagspause<\/p>\n<p>14.00 Uhr I Uta Wallenstein &amp; Carsten Eckert (Gotha)<br \/>\nF\u00fchrung in die Ausstellung \u201eGotha VorBildlich. Modellsammlungen um 1800\u201c\u00a0 im Herzoglichen Museum<\/p>\n<p>15.00 Uhr I Kaffeepause<br \/>\nKaffeepause<\/p>\n<p><strong>Sektion 3: Kunst und Handwerk \u2013 Geschnittene Steine im Interieur<\/strong><\/p>\n<p>15.40 Uhr I Stefan Meier (Marktredwitz)<br \/>\nBayreuther Marmor \u2013 Vorkommen, Verarbeitung, Anwendungsbeispiele<\/p>\n<p>16.20 Uhr I Ulf Kempe (Freiberg)<br \/>\nZwei klassizistische Sammlungstische in Schloss Mosigkau bei Dessau als Beispiele der sp\u00e4ten s\u00e4chsischen Steinkabinettskunst<\/p>\n<p>17.00 Uhr I Claudia Sommer (Potsdam)<br \/>\n\u201een karo\u201c \u2013 Gesteinsmusterplatten in den preu\u00dfischen K\u00f6nigsschl\u00f6ssern<\/p>\n<p>17.40 Uhr I Stefan Klappenbach (Potsdam)<br \/>\nDemonstration des historischen Steinschnitts an S\u00e4gebock und Bogens\u00e4ge<\/p>\n<p><strong>Freitag, 7. September 2018<br \/>\nSektion 4: Suchen und Finden \u00ac\u2013 Die Sammlungen in Datenbanken und Webportalen<\/strong><\/p>\n<p>9.00 Uhr I Jan-Michael Lange (Dresden)<br \/>\nAQUiLAgeo \u2013 Eine geowissenschaftliche Datenbank in Entwicklung<\/p>\n<p>9.40 Uhr I Frank D\u00fchrkohp (G\u00f6ttingen)<br \/>\nF\u00fcr Forschung und Lehre \u2013 Informationstechnische Basis der Sammlungserfassung am Beispiel G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>10.20 Uhr I Kaffeepause<\/p>\n<p>10.50 Uhr I Jens Lill (Konstanz)<br \/>\nIMDAS-Pro in Transformation \u2013 Wie aus einer Inventarisierungssoftware eine digitale Plattform werden kann<\/p>\n<p>11.30 Uhr I Falko Gl\u00f6ckler (Berlin)<br \/>\nMobilisierung von geowissenschaftlichen Daten in GeoCASe<\/p>\n<p>12.10 Uhr I Abschlussdiskussion<\/p>\n<p>13.45 Uhr I Exkursion nach Schnepfenthal<br \/>\nAbfahrt Myconius-Platz 13.48 Uhr,<br \/>\nAnkunft Schnepfenthal 14.19 Uhr<br \/>\nF\u00fchrung im historischen Naturalienkabinett<br \/>\nder Salzmann-Schule<br \/>\nOrganisation: Ute D\u00e4beritz (Gotha)<\/p>\n<p>ca. 18 Uhr | Ende der Veranstaltung<br \/>\nIndividuelle Abreise<\/p>\n<p>Der Eintritt zu den Vortr\u00e4gen ist frei. Wir bitten um Anmeldung bis zum 31. August 2018 unter der E-Mail: eckert@stiftung-friedenstein.de<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><br \/>\nDipl.-Geol. Carsten Eckert<br \/>\nSammlungs- und Forschungsverbund Gotha<br \/>\nStiftung Schloss Friedenstein Gotha<br \/>\nTel.: +49(0)361\/8234 331<br \/>\nMail: <a href=\"mailto:eckert@stiftung-friedenstein.de\">eckert@stiftung-friedenstein.de<\/a><\/p>\n<p>PD Dr. Julia A. Schmidt-Funke<br \/>\nSammlungs- und Forschungsverbund Gotha<br \/>\nWissenschaftliche Koordinatorin<br \/>\nSchloss Friedenstein &#8211; Pagenhaus<br \/>\nTel.: +49 (0)361\/737-1601<br \/>\nMail: <a href=\"mailto:julia.schmidt-funke@uni-erfurt.de\">julia.schmidt-funke@uni-erfurt.de<\/a><\/p>\n<p>Beitragsbild: Mustert\u00e4felchen aus der geowissenschaftlichen Sammlung des Museums der Natur Gotha \u00a9 Stiftung Schloss Friedenstein Gotha<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Workshop des Sammlungs- und Forschungsverbunds \u201eQuadratisch \u2013 praktisch \u2013 unbekannt. Geschnittene Steine in Kunst- und Naturalienkabinetten&#8220; 5.-7.9.2018 Forschungszentrum Gotha, Vortragssaal im Landschaftshaus, Schlossberg 2, 99867 Gotha Der von der VolkswagenStiftung gef\u00f6rderte Workshop des Sammlungs- und Forschungsverbunds Gotha befasst sich im Rahmen des Forschungsprojekts &#8222;Gotha um 1800. 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