{"id":4396,"date":"2019-12-10T10:00:46","date_gmt":"2019-12-10T09:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/?p=4396"},"modified":"2019-12-16T21:40:32","modified_gmt":"2019-12-16T20:40:32","slug":"biographie-und-stadtgeschichte-das-tagebuch-der-eva-schiffmann-1925-1930","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/archives\/4396","title":{"rendered":"Biographie und Stadtgeschichte. Das Tagebuch der Eva Schiffmann\u00a0 (1925-1930)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vortrag von Prof. Dr. Anke John (Jena) im Rahmen der Vortragsreihe &#8222;Stadtgeschichte schreiben&#8220;, Mittwoch, 18.12.2019, 17.15-18.45 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSeit es diesen Sommer so hei\u00df war, geht alles ohne Str\u00fcmpfe. Ich nat\u00fcrlich zuerst. Darob erregten sich die Keuschheitselemente in unserer Schule\u201c, schreibt Eva Schiffmann am September 1929 in ihr Tagebuch. Zwischen 1925 und 1930 hat die damals 17-j\u00e4hrige Momente ihres Erwachsenwerdens in der th\u00fcringischen Kleinstadt Gotha festgehalten. Die insgesamt 91 Tagebuchseiten sind f\u00fcr die Geschichte einer Stadt in der Zeit der Weimarer Republik ein einzigartiges autobiographisches Zeugnis, dessen historische und geschichtsdidaktische Erschlie\u00dfung in einem Vortrag von Prof. Dr. Anke John von der Universit\u00e4t Jena am 18. Dezember 2019 pr\u00e4sentiert und anschlie\u00dfend zur Diskussion gestellt wird.<\/p>\n<p>Erhalten ist mit dem Tagebuch der Selbstentwurf eines Teenagers mit den Ambivalenzen einer deutsch-j\u00fcdischen Identit\u00e4t. Die begabte Sch\u00fclerin Eva will Lehrerin oder Jugendrichterin werden und ist doch hin- und hergerissen zwischen der Chance zu studieren und der zionistischen Jugendbewegung, die f\u00fcr die Errichtung eines j\u00fcdischen Nationalstaates in Pal\u00e4stina eher auf handwerkliche F\u00e4higkeiten baut. \u00dcberhaupt scheint Eva Schiffmann eine aufmerksame und politisch denkende Zeitgenossin zu sein. Sie l\u00e4sst die Z\u00f6pfe f\u00fcr einen Bubikopf abschneiden, schreibt \u00fcber Mode und rezipiert die offenere Sexualaufkl\u00e4rung ihrer Zeit. Sie liest viel und reflektiert \u00fcber Literatur. Nicht zuletzt ist sie eine eifrige Kino- und Theaterg\u00e4ngerin.<\/p>\n<p>Mit dem Tagebuch lassen sich so Orte j\u00fcdischen Lebens und eine mit Kultur und Konsum wachsende st\u00e4dtische \u00d6ffentlichkeit Gothas in der Weimarer Zeit rekonstruieren: das Kino, die neue Reformschule oder die Vereinsfreizeit im Jungj\u00fcdischen Wanderbund.<\/p>\n<p>Vom Lokalen und den individuellen Erfahrungen eines j\u00fcdischen Teenagers aus betrachtet stellt sich f\u00fcr die Weimarer Zeit auch die Frage, wie klar sich eine allgemein angenommene Spannung zwischen moderner Urbanit\u00e4t in den gro\u00dfen Metropolen und den Kleinst\u00e4dten mit ihrer vermeintlichen Traditionsversessenheit eigentlich behaupten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 18. Dezember im Rahmen der Vortragsreihe \u201eStadtgeschichte schreiben\u201c der Forschungsstelle Stadtgeschichte Gotha und des Sammlungs- und Forschungsverbunds Gotha im Vortragssaal des Forschungszentrums Gotha im ehemaligen Landschaftshaus am Schlossberg 2 statt. Vortragsbeginn ist 17:15 Uhr. Der Eintritt ist frei, Interessierte sind herzlich willkommen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bildnachweis: Seite aus dem Tagebuch der Eva Schiffmann, Stadtarchiv Gotha. Die Rechte f\u00fcr das Tagebuch liegen bei den Erben der Autorin. Auskunft erteilt auf Anfrage das Stadtarchiv Gotha.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag von Prof. Dr. Anke John (Jena) im Rahmen der Vortragsreihe &#8222;Stadtgeschichte schreiben&#8220;, Mittwoch, 18.12.2019, 17.15-18.45 Uhr \u201eSeit es diesen Sommer so hei\u00df war, geht alles ohne Str\u00fcmpfe. Ich nat\u00fcrlich zuerst. Darob erregten sich die Keuschheitselemente in unserer Schule\u201c, schreibt Eva Schiffmann am September 1929 in ihr Tagebuch. Zwischen 1925 und 1930 hat die damals &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/archives\/4396\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBiographie und Stadtgeschichte. Das Tagebuch der Eva Schiffmann\u00a0 (1925-1930)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":4407,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,215,4],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4396"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4396"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4396\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4408,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4396\/revisions\/4408"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4396"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4396"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gotha3.de\/forschungsblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4396"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}