Neue Publikation: „Das Schloss als Hörsaal. Ludwig Christian Lichtenbergs „Vorlesung über die Naturlehre“ und die residenzstädtische Wissensproduktion um 1800“

In den 1770er- und 1780er-Jahren befasste sich ein größerer Kreis von bürgerlichen und adeligen Amateurwissenschaftlern um Herzog Ernst II. (1745-1804) unter Anleitung des herzoglichen Archivars Ludwig Christian Lichtenberg (1737-1812) mit den neuesten Erkenntnissen aus Physik und Chemie. Ein auf der Grundlage einer Tagung des Sammlungs- und Forschungsverbundes Gotha im Jahr 2017 entstandener, von Prof. Dr. Julia Schmidt-Funke (ehem. Gotha, jetzt Leipzig), Dr. Gunhild Berg (Halle) und Prof. Dr. Martin Mulsow (FZG) herausgegebener Sammelband beleuchtet nun die Aktivitäten des Gothaer Liebhaberzirkels, die Kontakte in die europäische Gelehrtenwelt, zu Technikern und Instrumentenherstellern sowie das Schicksal der Gerätesammlung. Zum Inhaltsverzeichnis des instruktiven Sammlungsbandes geht es hier.

Unter Ernst II. wurde die thüringische Residenzstadt Gotha im späten 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der aufgeklärten Wissenschaften. In den 1770er- und 1780er-Jahren befasste sich ein größerer Kreis von bürgerlichen und adligen Amateurwissenschaftlern um den fürstlichen Mäzen mit den neuesten Erkenntnissen aus Physik und Chemie. Angeleitet wurden sie dabei von dem herzoglichen Archivar Ludwig Christian Lichtenberg, dem älteren Bruder des Göttinger Physikprofessors Georg Christoph Lichtenberg, der über den aktuellen Wissensstand und die nötigen Experimentierapparate verfügte. In Vorlesungen, Vorträgen, Aufsätzen, Lehr- und Forschungsexperimenten diskutierten die Gothaer über Entdeckungen und Theorien in den Naturwissenschaften, über Gott und Natur.

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes stellen dar, vor welchem Hintergrund sich die Aktivitäten des Gothaer Liebhaberzirkels entfalteten, wozu geforscht, gelehrt und publiziert wurde, welche Kontakte in die europäische Gelehrtenwelt, zu Technikern und Instrumentenherstellern bestanden und welches Schicksal die wertvolle Gerätesammlung erfuhr. Mit seinem Einblick in die residenzstädtische Wissensproduktion, die auf der Grundlage der reichen Gothaer Überlieferung erschlossen wird, leistet der Band einen wichtigen Beitrag zur Wissensgeschichte der Aufklärung.

 

Julia Annette Schmidt-Funke, Gunhild Berg und Martin Mulsow (Hrsg.)
Das Schloss als Hörsaal
Ludwig Christian Lichtenbergs „Vorlesung über die Naturlehre“ und die residenzstädtische Wissensproduktion um 1800
(Reihe: Gothaer Forschungen zur Frühen Neuzeit, Band 19)

Franz Steiner Verlag, 2021
ISBN: 978-3-515-12664-9
425 Seiten
17 farbige Abbildungen, 12 s/w-Tabellen
17,0 x 24,0 cm
deutsch
70,00 EUR

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